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Als '''Leuchtturm''' wird ein Turm bezeichnet, der eine Befeuerung trägt. Leuchttürme sind insbesondere nachts weithin sichtbare Schifffahrtszeichen und dienen der Positionsbestimmung, der Warnung vor Untiefen oder der Fahrwassermarkierung.

Technik

Bauweise

Die Bauweise der Leuchttürme ist sehr vielfältig. In vorindustrieller Zeit waren Leuchttürme zumeist gemauert. In historischen Turmkonstruktionen befanden sich mitunter Wohn- und Arbeitsräume für das Bedienpersonal, die oft durch Nebengebäude ergänzt wurden. Da der Beruf des Leuchtfeuerwärters durch die Automatisierung nicht mehr ausgeübt wird, dienen die ehemaligen Arbeitsräume heute anderen Aufgaben.
Mit Aufkommen des Metallbaus wurde es möglich, leichte windbeständige Konstruktionen aus Gusseisen, aus Schmiedestahl und schließlich aus gegossenem und gewalztem Stahl zu errichten. Dabei überwog zunächst Stahlfachwerk, später rohr- und mastartige Konstruktionen. Heutzutage sind viele derartige Bauwerke aus Stahlbeton, Bauten aus glasfaserverstärktem Kunststoff wie ''Kahler Sand'' an der Elbe blieben die Ausnahme. Lichtanlage und Optik sind bei größeren Bauten zumeist aufgesetzt, sie werden als ''Lampenhaus'' oder ''Laterne'' bezeichnet.
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Lemwerder Schwarzer Leuchtturm463 retusche.jpg|?Schwarzer Leuchtturm? Lemwerder, 1898, Stahlfachwerk mit verkleidetem Treppenhaus
Lemwerder Rotes Leuchtfeuer458 retusche.jpg|Leuchtfeuer Lemwerder, 1983, Stahlrohr als Turm
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Bis in das späte 20.?Jahrhundert waren in der Nord- und Ostsee, wo die Errichtung von Leuchttürmen nicht möglich war, zahlreiche Feuerschiffe positioniert, mit Leuchtfeuern in bis zu 45?Metern Höhe. Heute werden von der Deutschen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nur noch zwei Feuerschiffspositionen unterhalten.

Bei engen Fahrrinnen werden Richtfeuer aus zwei synchronisierten Leuchtfeuern unterschiedlicher Höhe errichtet.

Turmhöhe und Feuerhöhe

Als ''Feuerhöhe'' bezeichnet man den Abstand zwischen Wasserspiegel und Befeuerung. Aus Kostengründen ist es sinnvoll, den Leuchtturm auf einer küstennahen Anhöhe zu errichten, weil so die ''Turmhöhe'' bei gleicher Feuerhöhe niedriger ausfallen kann. In Extremfällen kann es jedoch sinnvoller sein, einen Leuchtturm an einer tiefer gelegenen Stelle zu errichten, wenn er dadurch in klareren Luftschichten steht. So wurde der alte, 238?m hoch gelegene Leuchtturm am Cape Point in Südafrika 1911 durch den niedriger gelegenen neuen Leuchtturm ersetzt, da der alte Turm sich zu oft im Hochnebel befand und sein Licht somit nicht so weit sichtbar war wie ursprünglich angenommen.
Der Leuchtturm von ) mit 6,95?Metern Turmhöhe sein.

Optik

Als Leuchtfeueroptik werden seit etwa 1820 Fresnel-Linsen verwendet, die eine kompakte Bauform, ein relativ geringes Gewicht und eine hohe Lichtausbeute haben. Das Linsensystem hat bis zu 20 ringförmige Sektoren, eine Brennweite von maximal 70?Zentimetern und ist drehbar gelagert. Aufgrund der Umdrehungszeit besitzt jeder Turm eine spezifische Wiederkehr und Kennung, die im Leuchtfeuerverzeichnis und in Seekarten publiziert werden. Die Kennung wird gegebenenfalls durch zum Fahrwasser ausgerichtete Farbfilter erweitert. Durch die Rotation der Linse erzeugt dies ein rhythmisches farbiges Blinken.

Reichweite

Die Reichweite der meisten Leuchtfeuer liegt ? je nach Bauart und Umständen ? zwischen 5 und 20 skosten dar.

Wegen der Erdkrümmung nimmt die theoretische Reichweite mit der Wurzel der Turmhöhe und der Wurzel der Augeshöhe des Navigators zu. Wenn ein Leuchtfeuer gerade am nautischen Horizont (?in der Kimm?) auftaucht beziehungsweise verschwindet, kann seine Entfernung einfach berechnet und damit der Standort des Schiffes bestimmt werden. Die Formel kann mittels des Satzes von Pythagoras hergeleitet werden. Sind die Höhen von Leuchtfeuer und Navigator im Verhältnis zum Erdradius gering, lautet sie in vereinfachter Näherung:

<math>\text{Distanz in Seemeilen} \approx 1{,}9274 \cdot \left(\sqrt{\text{Augenhöhe in Metern}} + \sqrt{\text{Feuerhöhe in Metern}} \right)</math>

Geschichte des Leuchtturms

Wie die Geschichte der Leuchttürme begann, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass es im östlichen Mittelmeer bereits lange vor Christi Geburt regen Seehandel gab ? und vermutlich auch Leuchtfeuer, um bei Dunkelheit den Heimathafen zu finden.

Antike

Mindestens zwei antike Befeuerungsbauten sind überliefert, die beide um 300 v.?Chr. entstanden: Der griechische Koloss von Rhodos und der ägyptische Pharos von Alexandria (errichtet zwischen 299 und 279 v. Chr., Höhe 115 bis 160?m). Allerdings ist unsicher, ob der Koloss von Rhodos wirklich als Leuchtfeuer diente. Er soll etwa acht Jahrzehnte gestanden haben, bis er 224 v.?Chr. einstürzte. Der ägyptische Leuchtturm leuchtete dagegen über 1600 Jahre lang und stürzte im Jahr 1303 bei einem Erdbeben ein. Er ist Namensgeber des Begriffs ''Leuchtturm'' in den romanischen Sprachen und damit der Leuchtturmkunde, die heute als ''Pharologie'' bezeichnet wird.

Von den Römern wurde der Herkulesturm im galizischen A Coruña (Spanien) errichtet. Er wurde im Jahr 110 n.?Chr. von Gaius Sevius Lupus fertiggestellt, war ursprünglich 36?m hoch und maß 18?m × 18?m am Fuß. Im Jahr 1791 wurde er ausgebaut und erhielt eine klassizistische Umhüllung. Der noch heute genutzte Turm ist damit der älteste funktionsfähige Leuchtturm der Welt und gehört seit 2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ältere Türme aus Römischer Zeit wie der von Dover sind vielfach noch vorhanden, teils allerdings nur als Ruinen.

Abseits der Hochkulturen suchte die Seefahrt zu Beginn nach einfacheren Wegen, den Seefahrern ?heimzuleuchten?. Fackeln und kleine Strandfeuer wiesen den Fischern nachts ihren Weg. Mönche empfahlen deren Betrieb als gottgefällige Aufgabe.

Hansezeit

Vom 13. Jahrhundert an errichteten die Hansestädte der Ostseeküste Zufahrtsfeuer, oft als Kerzenlaternen auf vorgelagerten Inseln, zum Beispiel Lübeck (in Travemünde), Wismar, Rostock (in Warnemünde), Stralsund (auf Gellen), Greifswald und Danzig. Das bestehende Hafenzeichen in Travemünde wurde 1226 kaiserlich privilegiert. 1299 erhielt Hamburg die Nordseeinsel Neuwerk, um dort eine Feuerblüse zu errichten. Sie ist allerdings erst ab 1644 nachweisbar ? zunächst war es der Hansestadt vor allem um die Sicherung der Elbzufahrt gegangen. Um 1625 folgte ein ständiges Leuchtfeuer auf Wangerooge; die Benutzung des alten Westturms bewährte sich aber nicht.

Frühe Neuzeit

Deutlich verbessert wurden die Leuchtfeuer 1782 durch den Genfer Physiker Aimé Argand (1750?1803) mit der Hohldochtlampe, einem Vorläufer der späteren Petroleumlampe. Erst später setzten sich Gasglühlichter durch. Schließlich entwickelte Augustin Jean Fresnel (1788?1827) im Auftrag der französischen Regierung eine Lichtbündelung durch spezielle Linsen. Durch die Fresnel-Linsen steigerte sich die Reichweite der Leuchtfeuer erheblich.

Der regelmäßig blinkende Leuchtturm wurde von François Antoine Henri Descroizilles (1751?1825) erfunden.<ref name="Duval"></ref> Ein Uhrmacher aus der nordfranzösischen Hafenstadt Dieppe fertigte den Mechanismus; der erste damit ausgestattete Leuchtturm ging im Mai 1787 am Bootsanlegesteg in Dieppe in Betrieb.<ref name="Duval" />

Im 18. Jahrhundert begründete der Lampenmacher Thomas Smith in Edinburgh eine Familiendynastie von Leuchtturmbauern, die insbesondere in Schottland über vier Generationen hinweg mehr als ein Dutzend Leuchttürme errichtete.

Gegenwärtiger Nutzungswandel

Moderne digitale Navigationshilfen schmälern die heutige Bedeutung von Leuchttürmen, können aber visuelle Schifffahrtszeichen nicht vollständig ersetzen. Insbesondere beim Ausfall des GPS, der Elektronik oder der Stromversorgung stellen Leuchttürme eine unverzichtbare Absicherung dar, weshalb Leuchttürme auch zukünftig unterhalten werden müssen.

Die ehemaligen Personalräume und die Aussichtsplattform sind dagegen für den Leuchtturmbetrieb nicht mehr notwendig. Sie werden heute für touristische oder gastronomische Zwecke genutzt, vereinzelt dienen Türme auch als Unterkunft oder können für Trauungen gemietet werden.

Lichtsignal vs. Beleuchtung

Leuchttürme im engeren Sinn dienen zur dauerhaften Markierung eines Orts und senden, um identifizierbar zu sein, ein individuelles Lichtsignal aus, das von einem entfernten Punkt aus betrachtet aus einer rhythmischen Abfolge von Lichtblitzen besteht. Realisiert etwa durch mehrere Sammellinsen, die als Ring um eine sehr kleine Lichtquelle rotieren. In etwa von Nebel getrübter Luft ist daher das Vorbeiwischen eines durchstrahlten Sektors zu beobachten. Um weit zu reichen, wird das Licht nicht nur zu einem schmalen Sektor (= sichtbar als kurzer Blitz) gebündelt, sondern auch nahe um die Horizontalebene, wegen der Erdkrümmung eventuell um einen sehr stumpfen Kegel. Das Signal kann so gesteuert, abgeblendet und/oder gefärbt werden, dass es abhängig von der Richtung (Horizontalwinkel) unterschiedlich wahrgenommen wird und damit eine Zusatzinformation bietet.

In Ausnahmefällen können Leuchttürme auch zu Beleuchtungszwecken eingesetzt werden. Dabei werden Lichtquellen so hoch positioniert, dass ihr Licht auch in einiger Entfernung den Boden noch in ausreichend großem Winkel trifft, um menschliche Arbeit und Fortbewegung zu erleichtern. So dienten z.?B. die zwei Feuertürme von Schloss Luberegg am Donauufer in Emmersdorf, NÖ., um 1780?1811 zur Beleuchtung des Ufers, damit per Holzschwemme ankommendes Holz auch nachts auf Flusskähne verladen werden konnte. Die etwa 120 m entfernt voneinander stehenden Türme ermöglichten die schattenarme Beleuchtung des zwischen ihnen liegenden Geländes.

Metaphern

Im übertragenen Sinn werden Vorhaben, von denen eine Signalwirkung oder Vorbildfunktion ausgeht, als Leuchtturmprojekt bezeichnet.

In der englischsprachigen Welt ist die moderne Sage vom Leuchtturm und Kriegsschiff eine beliebte Metapher für gelegentliche Unflexibilität großer Mächte.

Literatur

  • Monika Bergmann: ''Lexikon der Leuchttürme''. Komet, Köln 2008, ISBN 978-3-89836-827-8.
  • Gerhard Wiedemann (Hrsg.), Johannes Braun, Hans Joachim Haase: ''Das deutsche Seezeichenwesen.'' 1850?1990, zwischen Segel- und Container-Schiffsverkehr [In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven]. DSV-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-88412-275-4.
  • Jean Guichard (Fotos), Vincent Guigueno (Text): ''Leuchttürme'' (Originaltitel: ''Phares'', übersetzt von Christiane Hauert). DK Edition Maritim, Hamburg 2007, ISBN 978-3-89225-575-8.
  • Ian Penberthy: ''Die 75 beeindruckendsten Leuchttürme der Welt'' (Originaltitel: ''Lighthouses ? Man-made Wonders'', übersetzt von Annerose Sieck). Tosa, Wien 2009, ISBN 978-3-85003-388-6.
  • Jürgen Voss: ''Lichter am Horizont ? Leuchttürme zwischen Tag und Nacht''. DK Edition Maritim, Hamburg 2003, ISBN 978-3-89225-482-9.
  • Vera Stehlin: ''Leuchtturm.'' In: ''Reallexikon für Antike und Christentum''. Band 22, Hiersemann, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-7772-0825-1, Sp. 1219?1230.
  • R.G. Grant: ''Wächter der See. Die Geschichte der Leuchttürme'' (Originaltitel: ''Sentinels of the sea'', übersetzt von Heinrich Degen). DuMont, 2018, ISBN 978-3-8321-9936-4.

Siehe auch

'''Briefmarkenserien'''
'''Veranstaltungen'''

Weblinks

Einzelnachweise